Datum: 2. November 2006



Betr.: Pressemitteilung zum Mädchenkalender „Kalendrina 2007“



Sehr geehrter Herr Minister,



Ihre Staatssekretärin Dr. Marion Gierden-Jülich hat am 20. Oktober den neuen Mädchenkalender „Kalendrina 2007“ vorgestellt.



Warum, fragt man sich, werden Jungen hier wieder ausgegrenzt?



In Ihrer Pressemitteilung ist davon die Rede, dass Mädchen heutzutage in der Lage sind, ihr Leben selbst zu gestalten und inzwischen über ein hohes Maß an Eigeninitiative, Eigenverantwortlichkeit und Selbstbewusstsein verfügen.



Es ist ein Widerspruch, dass eine derart erfolgreiche Bevölkerungsgruppe ein Vielfaches dessen an Geld, Förderung und öffentlicher Anteilnahme erhält, was diejenige Gruppe bekommt, die immer mehr ins Abseits gerät: Jungen und männliche Heranwachsende.



Die christlich-liberale Landesregierung von Nordrhein-Westfalen gibt Geld für einen von der Vorgängerregierung ins Leben gerufenen Mädchenkalender aus – und führt damit ein Prestigeprojekt der rot-grünen Feministinnenlobby fort. Konzepte für die dringend notwendige Jungenförderung bleiben aus.



Dass wir in NRW nicht nur Mädchenkalender brauchen, sondern Antworten auf die sich abzeichnende Jungenkrise, sollte eigentlich kaum noch umstritten sein, wenn man sich einige Fakten vergegenwärtigt:



  • Im Jahr 2000 waren 64,6 Prozent aller nordrhein-westfälischen Sonderschüler männlichen Geschlechts, aber nur 46,1 Prozent der Gymnasiasten.<//span>
  • Jungen stellen zwei Drittel aller Schulabbrecher.<//span>
  • Die PISA-Studie 2003 hat ergeben, dass nordrhein-westfälische Jungen in der Lesekompetenz um 23 Bewertungspunkte hinter den Mädchen zurückliegen.<//span>
  • Die Arbeitslosigkeit bei den Unter-25-Jährigen lag 2005 bei den Männern in Nordrhein-Westfalen um 54 Prozente höher als bei den Frauen.<//span>
  • Während Mädchen am „Girl’s Day“ einmal im Jahr Gelegenheit haben, geschlechtsuntypische Berufsfelder kennenzulernen, gibt es keine flächendeckenden Angebote für Jungen, die dem entsprechen, sondern nur regionale Initiativen wie etwa den Aachener „Boy’s Day“.<//span>
  • Da es im Mädchenkalender auch um Behinderte geht: In §44 SGB IX wird ausschließlich behinderten Mädchen als Gewaltopfern ein Selbstbehauptungskurs als gesetzliche Sozialleistung bezahlt, behinderten Jungen als Gewaltopfern nicht.<//span>


Die CDU-/CSU-Bundestagsfraktion hat in einer Kleinen Anfrage vom Mai 2004 an die damalige rot-grüne Bundesregierung Forderungen an die politisch Verantwortlichen formuliert, die MANNdat für richtig und nach wie vor aktuell hält:



„Der geschlechtsspezifisch differenzierte Blick macht deutlich, dass sich unsere Gesellschaft tief greifend damit befassen muss, wie die Jungen aufwachsen. Es ist Aufgabe der Politik, auf diese gesellschaftliche Veränderung zu reagieren und Jungen in Deutschland angemessen zu unterstützen. Nur so können gesunde, sozialkompetente und leistungsfähige Jungen heranwachsen.“



Verwiesen sei außerdem auf den Antrag „Jungen geschlechtsspezifisch fördern“, den der CDU-Kreisverband Mettmann beim NRW-Landesparteitag im März 2005 einbrachte und der mit großer Mehrheit angenommen wurde. Die CDU-NRW äußerte damals die Absicht, diese Anträge baldmöglichst umzusetzen.



Bislang sind keinerlei Anzeichen dafür erkennbar, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung sich dieses Anliegen zu eigen macht und zu einem Umsteuern in der Jugendpolitik bereit ist. Es stellt sich inzwischen die Frage, warum die Wähler im Mai 2005 überhaupt die alte Landesregierung von SPD und Grünen abgewählt haben.



Für eine einseitige Interessenvertretung jener Bevölkerungsgruppen, die im Geiste von Rot-Grün und fernab aller Lebensrealität im Jahre 2006 immer noch als „benachteiligt“ gelten, hätte es unserer Meinung nach überhaupt keines Regierungswechsels bedurft.




MANNdat e.V. – geschlechterpolitische Initiative




Hinweis: Dieses Schreiben wird als Offener Brief im Internet veröffentlicht. Eventuelle Rückantworten von Ihnen werden wir ggfs. ebenda veröffentlichen.


 

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