Erneute Nachfrage an Ministerin v.d. Leyen

Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend
z.Hd. Frau Ministerin von der Leyen
11018 Berlin

Betr.: Stärken der Väter in der Familie
Sehr geehrte Frau Ministerin von der Leyen,

Wie wir aus den Medien erfahren haben, beklagen Sie die Rückständigkeit in Deutschland in Sachen Familienpolitik. Sie kritisierten die fehlende Akzeptanz von Vätern, die sich stark in Familie und Erziehung engagieren.

Und genau dieses war das Anliegen unseres Schreibens vom 21.11.05. Aber bislang haben wir keine Antwort von Ihnen erhalten.

Seit den 80er Jahren wurde immer mehr ein Negativbild des Vaters kolportiert. Theorien, wie z.B. von einer Anita Heiliger oder Constance Engelfried, kamen in Mode, die besagten, dass im Sinne einer "antisexistischen" Erziehung ?erst in der Pubertät den Söhnen der Weg zur Identifikation mit dem Vater freigegeben werden sollte.? Theorien, die Einzug in deutsche Familienpolitik hielten. Der Vater wurde zum Verbrecher schlechthin hochstilisiert und dabei immer rechtloser gestellt.

Männer, die sich sehr aktiv in der Kindererziehung engagieren, müssen in unserem Land mit erheblichen Repressalien rechnen:
  • Heute brauchen Väter nicht ehelicher Kinder die Erlaubnis der Mutter, wenn sie das gemeinsame Sorgerecht möchten. Immer mehr Väter müssen heute sogar um das wenige Recht, das ihnen noch verbleibt bis zur letzten Instanz kämpfen. Und selbst wenn sie vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Recht bekommen, nützt ihnen das in Deutschland wenig, weil es Richterinnen und Richter gibt, die ihnen diese Menschenrechte nicht gewähren möchten. Statt dessen bemüht sich Deutschland, den Einfluss des Menschenrechtsgerichtshofes zu beschränken, um Vätern diese Menschenrechte nicht anerkennen müssen. Das für Väter zuständige Familienministerium hält sich bislang aus diesen Vorgängen - wir möchten hier nur den Fall Görgülü nennen - heraus. 

    In Landesgleichberechtigungsgesetzen in ganz Deutschland muss auch ein erziehender Vater gegenüber einer nicht erziehenden Frau bei Einstellung und Beförderung diskriminiert werden.

  • Wie im "1. Datenreport zur Gleichstellung von Frauen und Männer in Deutschland" (= Gender-Report) in Kapitel 3 unter "Erwerbseinkommen von Frauen und Männern" dargelegt wird, verdienen teilzeitbeschäftigte Männer ca. 20% weniger als teilzeitbeschäftigte Frauen.

  • In dem Bericht "Beruf und Familie" der Landeshauptstadt Düsseldorf wird ein Hauptproblem von Vätern dargelegt: "Betrachtet man die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Berufsrückkehrern im Hinblick auf die Integration auf dem Arbeitsmarkt, fällt eine unterschiedliche Akzeptanz seitens der Arbeitgeber auf. Männliche Berufsrückkehrer finden wenig Akzeptanz sowohl bei bisherigen, als auch bei potentiellen Arbeitgebern, wohingegen die soziale Kompetenz der Frauen geschätzt wird und einen immer höheren Stellenwert in der Arbeitswelt erlangt....Die in der Familienphase verstärkten Grundqualifikationen wie Arbeitsabläufe organisieren, Entscheidungen treffen, zwischenmenschliche Kontakte pflegen, Geduld und Ausdauer üben, Stress bewältigen werden bei weiblichen anders als bei männlichen Bewerbern für positive Voraussetzungen für den Wiedereinstieg gehalten."
  • In Artikel 6 (4) des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland steht: "Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft." Dieser Schutz und diese Fürsorge wird Vätern nicht zugestanden.

  • In der Zeitstudie "Wo bleibt die Zeit" aus dem Jahr 2004 wurde die Zeitverwendung der Bundesbürger untersucht. Ein Kapitel hat sich mit der Zeitverteilung speziell alleinerziehender Mütter beschäftigt. Die Zeitverteilung alleinerziehender Männer wurde nicht betrachtet.

  • Der dreijährige Rentenanspruch für die Erziehung eines Kindes wird nur auf schriftliche Bestätigung der Kindesmutter an den erziehenden Vater überschrieben. Dies bedeutet, dass bei Weigerung der Kindesmutter der erziehende Vater sein Recht erst mühsam einklagen muss.

Diese Punkte zeigen, dass die erziehenden Männer die großen Verlierer der Familien- und Geschlechterpolitik in Deutschland sind. Männer wissen, dass ihre Vaterschaft nicht ausreichend geschützt wird. Sie sollen in die Pflicht genommen werden, während man ihnen grundlegende Rechte vorenthält.

Eine Familienpolitik im Zeichen eines Gender Mainstreaming muss eine Politik im Zeichen des konstruktiven Dialoges mit den Vätern sein. Aus diesem Grunde möchten wir nochmals bei Ihnen anfragen, ob und wenn ja wie sie im Rahmen der o.g. die Väterrechte stärken und die Integration von Vätern in die aktive Erziehungsarbeit fördern möchten.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns diesmal beantworten könnten, was Sie gegen die o.g. Hemmnisse für eine aktive Vaterschaft tun möchten.

Mit freundlichen Grüßen
i.A. von MANNdat e.V. - geschlechterpolitische Initiative

Hinweis: Dieses Schreiben wird u.a. in verschiedenen Foren im Internet veröffentlicht. Eventuelle Rückantworten von Ihnen werden wir ggfs. ebenda veröffentlichen.

Nach oben

Übersicht Offene Briefe

Nach oben

 

Aktuelles:

Rot-Grün und Jungenförderung bleiben in NRW ein Widerspruch

Rot-Grün und Jungenförderung passen einfach nicht zusammen. Dies bestätigt der Koalitionsvertrag der...

Pressemitteilung: Bildungsbericht belegt Jungenverliererpolitik

Der aktuelle nationale Bildungsbericht 2010 bestätigt, was viele Verantwortliche aus Politik und Bil...

Neuer Infobrief "Jungen lesen"

Der neue Jungen Lesen-Infobrief ist da. Zum Inhalt: In einem Interview mit der Kita-Leiterin und Gle...

MANNdat im Väterradio am 17. Juni

Die Sendung steht unter dem Thema "Männer zwischen Tradition und Emanzipation - Männer- und Väterpol...

MANNdat-Rundbrief 2/2010 erschienen

Die zweite Ausgabe unseres Rundbriefs für 2010 enthält wieder eine Menge interessanter Informationen...

Pressemitteilung: Freiburg und Heidelberg sind Schlusslichter bei Jungenförderung

In diesem Jahr, zehn Jahre nach Einführung des bundesweiten Zukunftstages für Mädchen, führt Baden-W...

Pressemitteilung: Plant die CDU/CSU neue Zwangsdienste für Männer?

Für die CDU/CSU, insbesondere die Junge Union, ist eine zivile Zwangsdienstpflicht für Männer ein la...

zum Archiv »