Brief an das BMFSFJ zur Berücksichtigung alleinerziehender Väter
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
11018 Berlin
08.04.04
Studie: Wo bleibt die Zeit - Die Zeitverwendung der Bevölkerung in Deutschland 2001/2002
Sehr geehrte Damen und Herren,
will man echte Geschlechterpolitik betreiben, ist eine Studie, wie die o.g. unverzichtbar. Die Informationen daraus sind sehr interessant und wichtig. Dennoch müssen wir einen Kritikpunkt anbringen.
Die Situation alleinerziehender Väter wurde im Gegensatz zur Situation alleinerziehender Mütter nicht dargestellt. Der Anteil der Väter liegt nach unserer Kenntnis mittlerweile zwischen 15 und 20% der Alleinerziehenden. Es gibt also keinen Grund, diese Klientel unberücksichtigt zu lassen. Die Politik bekundet Interesse, die Väter mehr in die Erziehungsarbeit integrieren zu wollen. Ein Desinteresse an den männlichen Alleinerziehenden in dieser Studie konterkariert die Absicht jedoch, die Väter mehr in die private Erziehungsarbeit integrieren zu wollen und fördert zudem ein archaisches Rollenbild, in dem Erziehung reine Frauensache ist.
Die Nichtbetrachtung der männlichen Klientel bei den Alleinerziehenden widerspricht zudem dem Gender Mainstreaming-Ansatz, nach dem in einer korrekt durchgeführten Gender-Analyse die Situation beider Geschlechter zu erfassen wäre, was man hier nicht getan hat. Dies irritiert uns besonders, da das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - Auftraggeber der Studie - bisher eine gewisse Vorreiterrolle in der Implementierung des Gender Mainstreaming auf Bundesebene spielt.
Die Ausgrenzung der männlichen Alleinerziehenden bei dieser geschlechterspezifischen Betrachtung liefert zudem unnötiger Weise den Skeptikern des Gender Mainstreaming Vorschub, die im Gender Mainstreaming nichts anderes als eine frauenspezifische Geschlechterpolitik sehen.
Wir möchten Sie bitten, bei ähnlichen Studien zukünftig den Gender Mainstreaming-Ansatz zu beachten und auch die männlichen Mitbürger in allen Teilbereichen - insbesondere die Klientel der männlichen Alleinerziehenden - zu berücksichtigen.
Für eine Rückantwort wären wir Ihnen dankbar.
Mit freundlichen Grüßen
i.A. von MANNdat - Geschlechterpolitische Initiative
Hinweis: Dies ist ein offener Brief und wird im Internet z.B. unter
www.MANNdat.de veröffentlicht. Falls wir nichts Gegenteiliges hören, gehen wir davon aus, dass einer Veröffentlichung einer eventuellen Rückantwort von Ihnen ebenda nichts im Wege steht.
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