Antwort an das BMFSFJ am 1. 9. 2003
Auch die Jungen brauchen Hilfe
.........,
vielen Dank für Ihre Rückantwort durch Ihre Frau Hesse.
Leider gehen Sie auf unsere Argumente nicht ein. Sie begründen dies damit, dass wir schon mit Schreiben vom 27.07.03 vom Bundesbildungsministerium und mit E-Mail des Kompetenzzentrums "Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie" vom 15.05.03 auf unser Anliegen eine Antwort bekommen hätten.
Ein Schreiben des Bildungsministeriums vom 27.07.03 liegt uns nicht vor. Wir gehen davon aus, dass es sich um das Schreiben vom 05.08.03 handelt. Die Anfrage an das Bundesbildungsministerium hatte nichts mit dem Girls-Day zu tun, sondern bezog sich auf konkrete bildungspolitische Fragen, die zudem nicht abschließend beantwortet wurden. Im Antwortschreiben des Bundesbildungsministeriums wurde dargelegt, dass bereits parallele Veranstaltungen für Jungen am Girls-Day stattgefunden hätten.
Das Kompetenzzentrum gab uns in seiner E-Mail vom 15.05.03 zu verstehen, dass eine analoge Veranstaltung für Jungen grundsätzlich begrüßt werden würde.
Zudem verweisen wir auf den Chat Tacheles02 vom 03.06.03, in dem Sie die Frage, ob zukünftig auch ein Boys-Day vorgesehen sei, sehr ermunternd beantworteten.
Zitat:
"10. Frage: Gibt es neben dem Girlsday auch mal den Boysday, um Jungs auch einen Einblick in Berufe zu ermöglichen?"
Frau Renate Schmidt: "Natürlich gibt's das. ..
Und ich hoffe, an allen Schulen und nicht nur einmal im Jahr. .."
Auch wenn man ein ungewolltes Missverständnis im Chat voraussetzt, hörten sich die Äußerungen von Ihnen, dem Kompetenzzentrum und des Bildungsministerium bisher insgesamt sehr positiv bezüglich einer Parallelveranstaltung für Jungen an.
Auf dieser Grundlage beruhte unsere hoffungsvolle Anfrage, in der wir vernünftige Argumente für eine solche Veranstaltung vorbrachten. Uns ist deshalb unverständlich, weshalb Sie sich dieser Argumentation nicht stellen und nur auf die o.g. Schreiben verweisen, die uns über die weitere Absicht einen Boys-Day durchzuführen im Unklaren lassen und die deshalb ja Anlass waren zu unserer Anfrage an Sie als zuständige Ministerin.
Zwischenzeitlich haben wir nochmals vom Kompetenzzentrum Nachricht erhalten. Darin wird ausgesagt, dass die Entscheidung, in den nächsten beiden Jahren keine Parallelveranstaltung für Jungen zum Girls-Day durchzuführen, gefallen sei. Damit muss man vermutlich bei der derzeitigen politischen Konstellation die Hoffnung, dass in naher Zukunft den Jungen am Girls-Day eine ähnliche Hilfe wie Mädchen angeboten wird, ihr Berufswahlspektrum auf geschlechteruntypische Berufsbereiche auszuweiten, begraben.
Gerade vor diesem Hintergrund des nunmehr konkret getroffenen Entschlusses sind wir über Ihre Entscheidung, uns als ernsthaft an diesem Thema interessierten Bürgern keine konkrete Stellungnahme zu unseren sachlichen Argumenten zu geben, enttäuscht.
Da unsere Anfrage öffentlich war, gehen davon aus, dass wir die Mail des Kompetenzzentrums vom 15.05.03, die Sie als Teil Ihrer Antwort ansehen, auf unserer Homepage veröffentlichen können.
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