Petition Migrantenbericht

Beschwerde über die Ausgrenzung von männlichen Migrantenjugendlichen aus Situationsberichten



Petition vom 29.12.04


Betr.: Petition wegen Verstoßes gegen Gender Mainstreaming



Sehr geehrte Damen und Herren,


hiermit legen wir förmlich BESCHWERDE gegen die Ausländerbeauftragte des Deutschen Bundestages sowie gegen das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (nachfolgend abgekürzt mit BMFSFJ) ein, wegen Missachtung der Grundsätze des Gender Mainstreaming und wegen Benachteiligung von männlichen Jugendlichen.


Vor Kurzem wurde ein Bericht über die Situation der Migrantinnen in Deutschland „Viele Welten leben“ veröffentlicht. Der Bericht über die Situation der Migrantinnen ist ohne Frage sinnvoll und wird von uns nicht kritisiert. Unsere Beschwerde richtet sich gegen das nachrangige Interesse an der Situation der männlichen Migranten in Deutschland.


Dies widerspricht eindeutig der neuen europäischen Geschlechterpolitik - Gender Mainstreaming -, wonach die Situationen weiblicher und männlicher Mitbürger gleichermaßen zu betrachten sind und dies, obwohl gerade im BMFSFJ das Hauptreferat für Gender Mainstreaming auf Bundesebene implementiert wurde.


Die Einseitigkeit bei der Migrantinnenstudie ist umso unverständlicher, als schon die PISA-Studien 2000 und 2003 gezeigt haben, dass die männlichen ausländischen Jugendlichen die größten Schulprobleme aufweisen. Dieses nachrangige Interesse an den männlichen Migranten widerspricht daher nicht nur Gender Mainstreaming, sondern stellt die PISA-Ergebnisse auf den Kopf.


Auch der Bericht „Mädchen und Jungen in der Schule“ vom November 2002 von Gertrud Hovestadt der GEW belegt auf Seite 21, dass die männlichen Migrantenjugendlichen das signifikant schlechtere Bildungsniveau aufweisen. Zudem hat Deutschland nach PISA den traurigen Ruf, eines der Länder mit der größten Abhängigkeit der Schulbildung von der sozialen Herkunft zu haben. Diese soziale Ungerechtigkeit kann nicht abgebaut werden, wenn diejenige Klientel mit den größten Schulproblemen – die ausländischen Jungen - bei solchen Situationsstudien ausgeblendet wird.


Zudem weisen die männlichen Jugendlichen in Deutschland eine weitaus höhere Arbeitslosenquote auf als die weiblichen. Die nachfolgende Graphik, die auf Daten der Bundesagentur für Arbeit beruht, ist deutlich:



Die Graphik zeigt, dass das nachrangige Interesse an der Situation der männlichen Jugendlichen und damit auch an männlichen Migrantenjugendlichen unpassend ist. Es wäre Aufgabe der deutschen Migranten- und Jugendpolitik auch für männliche Migrantenjugendliche die Chancen auf eine gute Schulbildung und einen guten Beruf zu verbessern. Dies wäre im Interesse aller Mitbürgerinnen und Mitbürger der Bundesrepublik Deutschland. Dazu gehört aber als Grundlage auch die Analyse der derzeitigen Situation der ausländischen männlichen Jugendlichen, so wie dies bezüglich der Situation der ausländischen weiblichen Jugendlichen im vorgelegten Bericht geschehen ist.


Wir ersuchen den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, bei der Ausländerbeauftragten des Deutschen Bundestages und dem BMFSFJ zu erwirken, dass diese zukünftig Gender Mainstreaming beachten und die Situation der männlichen Migranten ebenso in ihr Blickfeld nehmen wie die der weiblichen.


Mit freundlichen Grüßen



i.A. von MANNdat e.V.
Hinweis: Diese Petition wird unter www.MANNdat.de veröffentlicht. Eine eventuelle Rückantwort von Ihnen wird ebenda veröffentlicht.




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Weitere Korrespondenz hierzu

Petition an den Deutschen Bundestag: Männliche Migranten
 
Nachfrage beim Petitionsausschuss
 
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